BIST DU VEGANERIN?

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Viele von euch haben es vermutlich schon festgestellt: in letzter Zeit bekommt ihr ausschließlich vegane Food Fotos und vermehrt vegane Fashion auf Instagram und meinem Blog zu sehen. Vermehrt kam also die Frage auf: „Bist du jetzt Veganerin?“

Um ehrlich zu sein war meine Meinung über VeganerInnen früher die folgende: ich könnte nie so leben, das sind radikale Extremisten, haben Mangelerscheinungen, mein Leben wäre vorbei wenn ich keinen Käse mehr essen könnte und diese VeganerInnen sind alle ein bisschen zu politisch korrekt. Bis ich mich mit dem Thema Veganismus ausführlicher beschäftigte und feststellte: die wahren radikalen Extremisten sind wir, die Fleischfresser. Denn die Menge an tierischen Produkten die wir konsumieren ist sowas von übertrieben und jenseits von einer ausgewogenen Mischung mit pflanzlichen Lebensmitteln. Ich versuchte zu rekapitulieren wie viel Essen mit tierischem Ursprung ich tatsächlich zu mir nehme und schon begann die Sinnkrise: auch wenn ich schon seit geraumer Zeit kaum Fleisch esse, esse ich täglich Eier, Käse oder Joghurt. Tagtäglich.

Folgende Fragen taten sich in meinem Kopf auf: die Bio-Milch die ich kaufe, weiß ich tatsächlich woher sie kommt? Nein, denn ich habe die Herstellungsstätte nie besucht. Der italienische Käse den ich aus dem Feinkostladen habe, wer sagt mir dass die Tiere dort artgerecht gehalten und nicht turbogemästet werden?

Neben vieler dieser Fragen stelle ich mir die Frage: würde ich meinen Hund für ein Mahl umbringen? Oder melken? Nein. Wieso dann also ein süßes Ferkel, eine Kuh oder irgendein anderes Tier?

Folgende Fakten haben sich für mich heraus kristallisiert:

1. Der Mensch ist das einzige Säugetier auf diesem Planeten das über das Säuglingsalter hinaus noch Milch konsumiert. Es gibt kein Lebewesen auf dieser Welt, das im Erwachsenenalter noch bei der Mutter säugt oder gar bei einem anderen Tier. Es ist so als würde ich mit 26 Jahren zu meiner Mutter gehen und um Milch bitten. Genauso abstoßend wie ich diesen Gedanken finde, fände ich es abstoßend die Milch von einem Hund, einem Affen oder einem anderen Tier zu trinken. Wieso dann also von einer Kuh?

2. Der Mensch ist kein Fleischfresser. Wenn ich ein süßes Ferkel sehe ist mein Gedanke nicht: oh da würde ich jetzt gerne reinbeißen. Oder wenn ein totes Tier am Straßenrand liegt ist mein erster Gedanke nicht „boah geiler Snack“. Wenn ich einem Baby einen Apfel und ein Ferkel vorsetze, bezweifle ich dass es mit dem Apfel spielt und in das Ferkel reinbeißt. Kein „normaler“ Mensche würde täglich ein Schwein aufschlitzen damit er was auf dem Teller hat. Man sagt auch jeder Mensch der ein Tier selbst aufziehen und anschließend schlachten müsste nur um Fleisch zu essen würde zum Vegetarier werden. Wieso also Fleisch essen? Weil es abstrahiert auf unseren Tellern liegt und wir jeglichen Bezug dazu verloren haben was da eigentlich liegt. Des weiteren sind Menschen rein physisch keine Fleischfresser: wir haben kurze, weiche Fingernägel im Gegensatz zum Löwen mit den spitzen Krallen. Wir haben kleine, abgerundete Zähne und keine Reißzähne. Fleischfresser bewegen ihr Kiefer auf und ab, damit sie Fleischstücke reißen und ohne kauen runterschlucken können. Wir Menschen zermalmen essen mit unseren Zähnen in horizontalen Mahlbewegungen.

3. Der Mensch ist nicht das wichtigste Lebewesen auf diesem Planeten, wieso nimmt er dann Macht über Tiere ohne deren Konsens? Fakt ist: die Bedeutung des Menschen ist für die Umwelt eine Negative. Die Bedeutung von Ameisen und Bienen zum Beispiel viel höher. Würde der Mensch aussterben, würde sich die Natur größtenteils erholen. Wenn aber die Ameisen aussterben würden, würden die meisten Ökosysteme kollabieren, die Erde wäre nicht mehr dieselbe. Das Aussterben der Bienen wäre genauso fatal für die Menschheit. Die Welt würde sich fundamental verändern, denn zwei Drittel der Nahrungsmittel hängen von der Arbeit der Bienen ab. Wieso nimmt sich unsere Spezies also so viel wichtiger als Kühe, Schweine und andere Tiere? Und nein, das hat nichts mit „Vermenschlichung“ von Tieren zu tun – Tiere sind zwar keine Menschen, rein faktisch sind Menschen aber nicht wichtiger als Tiere.

4. Veganer leiden nicht mehr an Mangelernährung als Nicht-Veganer: In Kuhmilch befindet sich nicht mehr Kalzium als in Sojamilch (kommt natürlich auf die Marke an), pflanzliche Milch hat meist mehr Vitamine als tierische Milch und generell tendieren Veganer dazu ein besseres Blutbild zu haben als Nicht-Veganer. Problematisch sind die Vitamine D und B12, beides jedoch Mängel die Fleisch konsumierende Menschen auch haben. Es ist ebenso klinisch bestätigt dass Veganer ein geringeres Risiko an Herzkrankheiten, Krebs, Diabetes oder Bluthochdruck haben – alles Krankheiten die vor allem durch tierische Lebensmittel gefördert werden. Bei veganer Ernährung fällt zum Beispiel das Cholesterin Problem komplett weg. Natürlich muss man dazu sagen dass es auch Junkfood Veganer gibt die sind viel zu viele Pommes von McDonalds und vegane Fertiggerichte reinhauen.

Übrigens: die Länder mit dem höchsten Milchkonsum (USA, Schweden, UK)  sind die Länder mit den meisten Osteoporose Erkrankungen (per capita) – dass Milch starke Knochen macht ist also wissenschaftlich widerlegt.

Was bedeutet das alles nun für mich?

– Essen: ich ernähre mich seit einiger Zeit schon vegan und vermisse meine frühere Ernährung nicht. Es gibt so unglaublich viele leckere Rezepte und abseits der Tatsache dass ich mich seelisch sehr befreit fühle, ist meine Haut noch besser geworden, ich bilde mir ein abgenommen zu haben (ich wiege mich nicht insofern kann ich das nicht genau festmachen), ich esse so viel mehr Gemüse und Obst und fühle mich fitter, weniger müde und sogar glücklicher.

Zum Thema Soja: Soja ist nicht ungesund, aber wie bei allen Lebensmitteln ist es auch bei Soja nicht zu empfehlen täglich 5 Sojaschnitzel zu essen. In Soja sind äußerst schwach wirksame Phytoöstrogene enthalten, die aber nach aktuellem Stand der Wissenschaft keine gesundheitsschädlichen Folgen haben. Vereinzelt kann es aber bei Männern bei übermäßigem Konsum zu hormonellen Veränderungen kommen.

Viele sagen aber: in Südamerika werden riesige Areale Regenwald gerodet für Sojaplantagen. Das stimmt, nur werden 98% des weltweit angebauten Sojas zur Tierfütterung verwendet. Zwei Prozent landen in Tofu und Sojawurst. Neben Soja wird den Tieren auch Mais gefüttert, beides meistens genetisch modifiziert. Damit man Mais und Soja anbauen kann wird Grünland umgebrochen, wobei jede Menge CO2 entweicht. Trotzdem schadet ein Veganer, der ab und zu Tofu isst, der Umwelt immer noch tausend mal weniger als ein Fleischfresser. Aus 1kg Sojabohnen lassen sich 2kg Tofu herstellen – setzt man die gleiche Menge Soja als Kraftfutter für die Schweinemast ein, beläuft sich die produzierte Menge Schweinefleisch auf 300 Gramm. Hinzu kommt dass natürlich auch Milchkühe und Rinder mit gentechnisch verändertem Soja gefüttert werden was wiederum beim Menschen im Bauch landet- auch in Deutschland oder Österreich. Es gibt nämlich keine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel die mehr als 0,1% gentechnisch veränderte Organismen enthalten. Ich kaufe zB. fast nur Tofu und Sojamilch die in Österreich angebaut und geerntet wurde.

– Kleidung: Ich werde in Zukunft komplett auf Leder, Tierhaut, verzichten. Ich möchte nicht dass ein Tier für meine Kleidung stirbt wo es doch so viele Alternativen gibt. Davon auszugehen dass Leder Überreste aus der Lebensmittelproduktion sind ist nämlich schlichtweg Humbug und nur ein Weg sich auszureden dass man doch am Tod eines Tieres Schuld ist (für Mode!). Ich würde nie im Leben Hundeleder tragen, wieso also die Haut einer Kuh?

Bezüglich Wolle muss ich realistisch sagen, dass ich zwar versuchen möchte auf Wolle zu verzichten, jedoch wenn ich Wolle kaufe diese nur bei Shops wie Grüne Erde oder Hessnatur konsumieren möchte, wo die Auflagen so streng sind, das ich (und ich spreche nur hier von mir persönlich) Wollprodukte wenn wo nur dort kaufen möchte. Ähnlich werde ich es mit Kaschmir halten, wobei ich aber wie gesagt im Großen und Ganzen meinen Konsum hier drastisch dezimieren möchte. Außerdem werde ich meine bestehenden Kleidungsstück die aus Leder etc. sind nicht wegschmeißen, sondern diese weiter tragen.

Seide finde ich sowieso nicht so toll, fühlt sich zwar gut an, ist mir aber viel zu empfindlich und kompliziert beim Waschen. Insofern möchte ich auch versuchen so gut wie möglich auf Seide zu verzichten. Fell trage ich ohnehin schon seit Jahren nicht.

In Bezug auf Nachhaltigkeit muss ich meine „policy“ hier etwas lockern, da viele vegane Produkte nicht gleichzeitig 100% nachhaltig sind. Viele Labels wie Matt & Nat stellen in China her – zwar beteuern sie dass das unter außerordentlich korrekten Umständen stattfindet, trotzdem kann am Ende des Tages nicht mal ein Zertifikat sondern ausschließlich der eigene Besuch in der Produktionsstätte das bezeugen. Außerdem befinde ich mich gerade in der Umstellung, das heißt ihr werdet hier noch einige Posts sehen in denen nicht vegane Produkte vorkommen, einfach weil es alte Sachen oder erst vor paar Wochen produzierte Outfit Posts sind. Nach und nach werden aber die Outfit Post veganer, wo wie auch meine Outfits mit der Zeit nachhaltiger wurden.

Bezüglich “veganer Mode”: ein Kleidungsstück ist nur dann 100% vegan wenn nicht nur das Hauptmaterial nicht tierisch ist, sondern auch Kleber, Knöpfe, Applikationen und Nähte sind aus tierischen Stoffen gewonnen werden. Ich werde versucht so gut es gehen auch darauf zu achten, bloß bei Schuhen ist es wirklich schwer.

– Kosmetik: der Punkt ist momentan noch der schwierigste für mich. Den meisten VeganerInnen ist es wichtig, dass ein Unternehmen tierversuchsfrei ist, keine Stoffe tierischen Ursprungs verwendet, nicht zu einem Konzern gehört der all das tut und auch nicht in China vertreibt, wo die Regierung autonom Tierversuche an importierten Produkten durchführt (was Unternehmen nur überlässt nicht mehr in China zu verkaufen). Dafür nehmen die meisten VeganerInnen ein bisschen Synthetik im Produkt in Kauf – so kaufen zB. viele bei Lush, einem Unternehmen dass 100% vegan ist, dafür aber keine zertifizierte Naturkosmetik. Mir persönlich ist es in erster Linie wichtig, dass ich keinen Krebs von den Produkten bekomme, insofern nehme ich persönlich eher noch in Kauf Produkte zu verwenden die nicht 100% vegan sind. Hier geht es vor allem um Stoffe wie Bienenwachs. Auch bei Firmen wie Dr. Hauschka werde ich weiterhin einkaufen, auch wenn die Marke für viele Veganer tabu ist. Natürlich, wie auch bei Wolle & Co., möchte ich versuchen mein Bestes zu geben und wie auch mit der nachhaltigen Kleidung möchte ich in das Thema reinwachsen und muss mir Zeit nehmen die Produkte zu finden, die für mich mit meinem neuen Lebensstil vereinbar sind. Wer sich näher für das Thema interessiert dem kann ich diese Liste von Daniela ans Herz legen.

Um eure Frage also zu beantworten: ich versuche so gut es geht vegan zu leben, würde mich aber nicht als Veganerin bezeichnen, da ich noch nicht 100% politisch korrekt vegan bin. Ich möchte diesen Blog aber vegan-friendly machen und privat so gut es geht ein Leben leben, das alle Lebewesen liebevoll behandelt und respektiert. Abschließend sei auch zu sagen, dass ich informieren und nicht missionieren will. Ich zeige hier den Finger ausschließlich auf mich und nicht auf euch. Jeder Mensch darf leben wie er es möchte und ich verurteile niemanden dafür, da es weder meine Aufgabe noch meine Berechtigung ist das zu tun. Ich hoffe aber das sich die ein oder andere inspiriert fühlt und vielleicht selbst mal das ein oder andere vegane Rezept ausprobiert. Am wichtigsten ist mir aber das Stigma des Veganers zu verbannen, denn Veganer befinden sich gesellschaftlich in einer Schublade in die sie absolut nicht rein gehören.

Ganz zum Schluss möchte ich diejenigen, die diesen Beitrag mit contra-Veganismus Kommentaren kritisieren möchten, aber auch alle anderen, bitten sich das Video am Ende des Beitrags anzusehen. Wer sich „Earthlings“ (erzählt vom berühmten Schauspieler Joaquin Phoenix der schon lange Veganer ist) anschauen und danach noch behaupten kann Veganer seien „Terroristen“ oder „Extremisten“ und selbst genüsslich in sein Steak beißen kann, dem sei das selbst überlassen. Der Film ist gratis in voller Länge zu sehen, Untertitel in allen Sprachen (rechts unten klicken) verfügbar und es gibt ebenso eine Deutsch synchronisierte Version.

Mein Freund hat es nicht geschafft Earthlings zu Ende zu schauen, ich habe mich selbst dazu gezwungen, auch wenn ich mich bei manchen Stellen am liebsten aus dem Fenster gestürzt hätte, so sehr habe ich mich für die Menschheit geschämt. Von Tränen über Zitteranfälle bis hin zu Magenkrämpfen: Food Inc. ist ein Disneyfilm im Vergleich zu Earthlings, trotzdem passieren diese Dinge tagtäglich und nur wer hinschaut kann etwas verändern. Inzwischen wird mir einfach übel wenn ich sehe, dass es an jeder Ecke Leder, Fleisch und andere tierische Produkte gibt. Es müssen so, so viele Tiere für diese ganze Nachfrage sterben, dessen wird man sich erst bewusst wenn man einen Tag lang durch die Stadt geht und sieht dass auf jedem Meter der Straße tote Tiere zum Verkauf angeboten werden. Wieviele Tiere da sekündlich geschlachtet werden kann sich jeder selbst ausmalen.

Ich danke jedem von Herzen der diesen supermegalangen Beitrag bis zum Ende gelesen hat, denn einen persönlicheren Beitrag hat es bisher wohl nicht gegeben. Mich persönlich hat das Thema während der letzten Wochen so sehr berührt und ich hoffe dass ich zumindest einen klitzekleinen Beitrag dazu leisten kann diese Missstände zu verbessern.

♥ Dieser Beitrag ist Mala gewidmet ♥

PS: Alle Fakten in diesem Beitrag habe ich aus bereits bestehender Literatur recherchiert – ich bin weder Expertin auf dem Gebiet noch Wissenschafterin. Solltet ihr Einwände oder Ergänzungen haben freue ich mich natürlich darüber!

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